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Rund um den Globus erstrecken sich in einem breiten Gürtel am Äquator die bedeutendsten Urwälder der
Erde - die Tropischen Regenwälder.
Wie ein grüner Ozean bedeckt der Regenwald in Südamerika eine durchgehende Fläche von 1.000 km nördlich bis 1.000 km
südlich des Äquators. Diesem folgend setzt er sich in Afrika fort bis zum Indischen Ozean. Das dritte große Regenwaldgebiet
umfaßt in Südostasien Teile Indiens, ferner Burma, Thailand, die malaysisch-indonesischen Inseln und Neuguinea.
Etwa 13 % der Erdoberfläche waren noch vor tausend Jahren mit Tropischem Regenwald bedeckt. Vor allem in den
letzten 40 Jahren hat die Zerstörung so zugenommen, daß heute nur weniger als die Hälfte davon noch übrig ist,
knapp 7 Millionen qkm, und jedes Jahr werden es 200.000 qkm weniger.
Das Rätsel der WaldbödenWas ist das für ein Boden, der so karg aussieht und doch die gewaltigsten Wälder trägt? Wissenschafliche Untersuchungen kamen zu einem erstaunlichen Ergebnis: Viele Regenwaldböden sind nahezu unfruchtbar. Auf sehr großen Flächen finden sich praktisch mineralstofffreie Sand- und Kaolonitböden. Etwa 40% der asiatischen, 70% der afrikanischen und 90% der südamerikanischen Regenwälder stehen auf eigentlich unfruchtbarem Grund. Seit Jahrmillionen durchlaufen die tropischen Böden eine starke Verwitterung. Die Mineralien wurden ausgewaschen, die Böden ausgelaugt und zersetzt. In Amazonien ist dieser Vorgang am weitesten fortgeschritten. Wie aber ist es möglich, daß auf so schlechten Böden das üppigste und artenreichste Ökosystem der Erde entstanden ist? Fällt im Tropischen Regenwald ein abgestorbenes Blatt oder ein Ast auf den Boden, so wird dies sofort von sogenannten Mykorrhiza-Pilzen befallen, die aus ihm alle Nährstoffe herausfiltern. Die Pilze hängen an Baumwurzeln und geben die gewonnen Nährstoffe an die Bäume weiter. Von dem Blatt selbst bleibt kein Humus zurück. So befinden sich fast alle Nährstoffe ständig in den lebenden Pflanzen, nur eine winzige Menge ist in der Bodenschicht enthalten. Die Verluste, die trotz allem auftreten, werden durch den Regen ausgeglichen. Messungen an den Bächen, die den Wald verlassen, ergaben, daß ihr Wasser unglaublich rein ist, fast so rein wie destilliertes Wasser. Die unzähligen Pflanzenarten, die der Wald hervorgebracht hat, helfen alle mit, möglichst viele Mineralstoffe (wie Calcium, Calium, Phosphor ...) aus dem Regen zu filtern. Nichts darf dabei verloren gehen. Die Vielzahl der Arten ist also die Antwort der Natur auf die Knappheit der Ressourcen. Nicht trotz der Nährstoffarmut gibt es im Regenwald so viele Arten, sondern gerade wegen ihr!!! Damit wurde auch der Grund gefunden, warum die Regenwälder so empfindlich sind und warum sie sich meist weder durch Viehweiden noch durch Plantagen ersetzen lassen. Die Asche der verbrannten Bäume düngt nach Brandrodungen den Boden zwar kurzzeitig, doch der Regen spült sie bald davon, mitsamt der kümmerlichen Humusschicht. Zurück bleibt ein unfruchtbares Brachland. Wenn erst einmal alle Nährstoffe verschwunden sind, bleiben auch Wiederaufforstungen oft zwecklos. Es ist kein Problem, im Regenwald spazieren zu gehen. Am Boden ist es zu dunkel, als dass hier noch viel wachsen würde. Einige junge Bäume warten im Dämmerlicht darauf, dass einer der alten Bäume umstürzt. Innerhalb kürzester Zeit schießt er dann in die Höhe, um als erster den Platz an der Sonne zu erreichen. Schafft er es nicht, stirbt er ab und hat umsonst viele Jahre hindurch bei 100 % Luftfeuchtigkeit und 1 % des auf die Kronen einstrahlenden Lichtes gewartet. Um diese Schwierigkeiten zu umgehen, haben sich die Würgerbäume etwas besonderes einfallen lassen: sie wachsen von oben nach unten. Ihre Samen keimen auf den Ästen großer Bäume. Von dort aus wachsen die langen Wurzeln am Stamm entlang abwärts, bis sie im Boden Halt gefunden haben. Der Wirtsbaum wird nun immer enger umschlossen - erwürgt -, bis er abstirbt. Ein neuer Baum ist entstanden, der innen natürlich völlig hohl ist. Auch die zahlreichen Lianen wachsen auf diese Weise von oben nach unten, töten aber nicht ihren Wirtsbaum. Sie benötigen ihn als Stütze. Sogar viele Blumen und Farne wachsen auf großen Bäumen. Hier haben sie genügend Licht und das Regenwasser enthält viele wichtige Nährstoffe, die im Boden fehlen. Die Bromelien z.B. entwickeln einen großen Trichter aus ihren Blättern, in dem sie Regen sammeln. Daraus filtern sie die Mineralien. Auch aufgefangener Staub und Blütenpollen werden zersetzt, ebenso die Exkremente von Insekten und anderen Kleintieren, z.B. von Fröschen. Als im 19. Jahrhundert Naturforscher wie Charles Darwin oder Alexander von Humboldt die Tropenwälder besuchten, staunten sie über die ungeheure Artenvielfalt, die hier herrschte. Sie berichteten von unglaublicher Formenmannigfaltigkeit bei Schmetterlingen, Vögeln, Käfern und Affen. In der Tat ist der Artenreichtum verblüffend. Während es in ganz Europa nur etwa 50 verschiedene Baumarten gibt, existieren auf Regenwaldflächen von der Größe zweier Fußballfelder oft über 500. Als in den 80er Jahren WissenschaftlerInnen begannen, mit Hilfe von Kletterausrüstungen und Strickleitern die schwer zugängliche Kronenregion der Regenwälder zu erforschen, öffneten sich nochmals neue Dimensionen. In einer einzigen Baumkrone fanden sie über 600 verschiedene Käferarten. Etwa 150 davon waren ausschließlich auf diese Baumart spezialisiert. Auf einem Hektar Regenwald können vermutlich 20.000 verschiedene Insektenarten vertreten sein. Ungefähr 400 Vogelarten leben in Zentralamazonien auf einem Gebiet von 7 mal 7 km. Vor allem wegen der Zahl der in den Bäumen lebenden Insekten, aber auch der hoch oben wachsenden Pflanzen, musste der Artenreichtum der Erde ganz neu beurteilt werden. Es gibt wohl nicht nur zwei Millionen Arten auf der Erde, wie WissenschaftlerInnen noch in den 50er Jahren angenommen hatten, sondern 20, 30, vielleicht sogar 40 Millionen! Über 80 % davon bewohnen die Regenwälder. Wenn dieser unermessliche Schatz an genetischer Vielfalt zerstört wird, ist er unwiederbringlich verloren !!! Was machen die Frösche in den Baumkronen?Die Giftigkeit von P. terribilis hat ihm den Namen "schrecklicher Giftfrosch" eingebracht. In der Tat gehört diese Art zu den wenigen Pfeilgiftfroscharten, die wirklich von Indianern zum Vergiften ihrer Blasrohrpfeile verwendet wurden und werden. Laboruntersuchungen haben gezeigt, dass die Giftmenge eines Frosches für das Töten von 20 000 Mäusen, bzw. 10 Menschen ausreichend ist, immer vorausgesetzt, dass das Gift in die Blutbahn des Beuteobjekts gelangt. Bei den Hautgiften handelt es sich meistens um komplexe Alkaloid-Gemische, von denen das Batrachotoxin eines der bekanntesten ist. Dieses hat eine sehr spezifische Wirkung auf den Natriumkanal in Zellmembranen, denn er wird nach einer Depolarisation nicht mehr geschlossen. Die Folge ist eine Dauererregung, die schließlich zu Herzstillstand und Atemlähmung führen kann. P. terribilis kann bis zu 500 µg von diesem Batrachotoxin speichern, eine gewaltige Menge, verglichen mit nur 0,2 bis 24 µg bei seinen nächsten Verwandten! Epidatidin - das Schmerzmittel aus einem Pfeilgiftfrosch Der amerikanische Pharmakologe Dr. John Daly entdeckte 1992, dass eine Komponente des Hautgiftes von Epipedobates tricolor eine schmerzlindernde Wirkung hat. Die Wirkung der Substanz Epibatidin stellte sich als etwa 200 mal stärker heraus, als die von Morphium. Mittlerweile ist das Mittel von der amerikanischen Firma Abbott zur Marktreife entwickelt worden. Das ArtensterbenStirbt im Regenwald eine Art aus, führt das oft zu einer tödlichen Kettenreaktion, weil viele Arten aufeinander angewiesen sind, wie z.B. die Giftfrösche auf die Bromelien. In Westafrika sind allein etwa 30 Baumarten vom Waldelefanten abhängig. Diese müssen ihre Früchte fressen, damit die Samen frei werden. Seit die Elefanten fast verschwunden sind, wachsen einige Baumarten kaum mehr nach. Viele Arten leben außerdem auf einem sehr kleinen Gebiet, die Goldkröte in Costa Rica kommt zum Beispiel nur auf einer Fläche von 50 mal 100 Metern vor - sonst nirgends. Da schon über die Hälfte aller Regenwälder zerstört ist, werden wir nie erfahren, wie viele Arten schon endgültig verschwunden sind, und auch nicht, was für welche das waren, wie sie lebten und was sie uns hätten nutzen können. Die allerwenigsten Tier- und Pflanzenarten des Tropenwaldes sind bislang überhaupt entdeckt. Nur etwa 1% ist wissenschaftlich erforscht. Trotzdem entstammt diesem kleinen Anteil untersuchter Arten bereits ein Viertel unserer rezeptpflichtigen Medikamente. Bei der Erforschung weiterer Arten könnten also wahrscheinlich noch ungeahnte Heilmittel gegen Krankheiten gefunden werden, die bis jetzt noch nicht oder nur mangelhaft bekämpfbar sind. Auch die Grundlagen vieler Nahrungs- und Schädlingsbekämpfungsmittel liegen in den Regenwäldern verborgen. Jeden Tag sterben 120 Arten aus !!!Ein Viertel aller Arten wird voraussichtlich innerhalb der nächsten 20 Jahre aussterben. Namhafte BiologInnen erklären deshalb, es gehe bei den derzeitigen Zerstörungen "nicht nur um Tod, sondern um das Ende von Geburt". "Die Zukunft der Menschheit", so der Ex-Generalsekretär der Welternährungsorganisation FAO, Edouard Saouma, "könnte davon abhängen, ob es uns gelingt, die biologische Vielfalt zu verteidigen und umweltverträglich zu nutzen." Vielleicht sollte der Regenwald aber nicht nur in einer Kosten-Nutzen-Rechnung betrachtet werden. Hat dieser Wald, selbst wenn er den Menschen keinerlei direkten Gewinn bringen würde, mit all seiner Vielfalt und Schönheit keine Existenzberechtigung in sich selbst? Dürfen wir, nur weil wir dazu in der Lage sind, ganze Arten einfach ausrotten???
der letzte Fisch gefangen und der letzte Fluss vergiftet, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann altes indianisches Sprichwort
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